Gibt es ein erholsames Wochenbett mit 2 Kindern?

Wenn man Dinge über dieses ominöse Wochenbett liest, dann steht da eigentlich immer, dass dieses 6-8 Wochen dauert und man sich in dieser Zeit (als Frau) schonen und als Familie zusammenwachsen soll. Geburtsverletzungen sollen gut heilen, die ersten psychischen Ups and Downs überwunden und das Stillen „geübt“ werden können. Man soll dieses Babyflitterwochen in vollen Zügen genießen und sich als Frau vom Partner und als Familie von Freunden und Familie betüddeln lassen. Das klingt alles so wunderbar, nicht wahr? 

Als wir mit Anna aus dem Krankenhaus heim kam, taten wir auch genau das. Wir lagen den ganzen Tag über mit ihr im Bett, kuschelten, gingen in aller Seelenruhe spazieren, immerhin hatte mein Mann fast 4 Monate Elternzeit, das war ein absoluter Luxus für mich, für uns.

Doch was ist, wenn man schon ein Kind (oder mehrere) hat? Was macht man denn dann? Mein Mann und ich hatten mit unseren Familien und Freunden noch in der Schwangerschaft über die Zeit nach der Geburt gesprochen. Das fand ich sehr wichtig, denn nur klare Ansagen und Bitten helfen weiter und Missverständnisse können vermieden werden.

Die erste Woche daheim

Mein Mann hat 3 Wochen Urlaub ab Geburt an. Die erste Woche wird Anna noch bei der Oma verbringen, damit wir aus dem Krankenhaus raus und zu Hause ankommen können. Die ersten Tage hatten wir demnach sogar wirklich diese rosaroten Babyflitterwochen zu dritt. Natürlich vermissten wir Anna schrecklich, aber erstens war sie stark erkältet und zweitens wollte ich diese ersten Tage bewusst nur mit Niclas und meinem Mann ungestört verbringen. Das finden jetzt bestimmt ganz viele egoistisch, aber diese seltenen Exklusivzeiten wollte ich unserem Sohn, mir und meinem Mann einfach zugestehen und gönnen. Außerdem waren wir ständig mit Anna in Kontakt und es ging ihr, bis auf ihre Erkältung, blendend. Sie hatte die ungeteilte Aufmerksamkeit von Oma und Opa, was will man mehr?

Also kuschelten wir ausgiebig und ich verbrachte die ganze Zeit im Bett. Ich bekam sogar Frühstück ins Bett gebracht, wir bestellte Essen beim Lieferservice und somit konnte ich wunderbar „heilen“ und ankommen. Ich weiß, dass nicht jeder diese Möglichkeit hat, aber wenn man sie hat, sollte man sie (meiner Meinung nach) nutzen.

Geschwisterzusammenführung

Dann kam der Freitag, der Tag, an dem Anna wieder heim kommen sollte. Ich war schrecklich aufgeregt, wie sie auf ihren kleinen Bruder reagieren würde. Schon im Treppenhaus fing ich an zu weinen. Sie war so groß geworden. Auch sie war etwas schüchterner, hatten wir uns ja auch eine ganze Woche nicht gesehen. Dann stürmte sie ins Wohnzimmer um Knautzi zu begrüßen. Sie war von Anfang an Feuer und Flamme und küsste und streichelte ihn und wollte ihn gar nicht mehr alleine lassen. Auch diese Szenen tireben sowohl meiner Mama als auch mir die Tränen in die Augen. Insgesamt war ich einfach super emotional und wusste mit meiner Liebe für diese beiden Geschöpfe, die zu uns gehören, nicht wohin. Ihre Liebe und ihr Interesse für ihren Bruder ist bis heute nicht abgeebbt und ich hoffe, dass das so bleibt. Denn wenn alle anderen doof sind, ihr kleiner Bruder ist der Tollste ❤ Auch heute noch denke ich mir, wow du bist so groß. Deine Hände, die für mich vorher immer so klein waren, sind im Vergleich zu denen deines Bruders so riesig. Aber auch daran werde ich mich noch gewöhnen.

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Wochenbett-Alltag

Auch als Anna dann bei uns daheim war, habe ich versucht, so viel wie möglich zu liegen. Ich bin dann auf die Couch umgezogen, habe mit ihr ihre Lieblingsserien geschaut, ein Buch gelesen, gepuzzelt oder wir haben alle zusammen gekuschelt. Aber mehr war nicht drin. Meine Dammverletzung sollte heilen und mein Beckenboden ist immernoch sehr schwach. Laufen, heben oder sonstige großartige Bewegung war einfach nicht drin. Mein Mann brachte und holte Anna aus der Kita und ging mit ihr auf den Spielplatz etc. Wenn mein Mann doch zwischendrin mal etwas arbeiten musste, dann kam meine Mama oder unsere Babysitterin vorbei. Nach knapp 3 Wochen musste mein Mann wieder arbeiten und ich war mit beiden Kindern alleine. Morgens brachte ich nun Anna gemeinsam mit Knautzel in die Kita, entweder im Kinderwagen oder in der Trage, noch leicht humpelnd und langsam. Nachmittags kam mein Mann hin und wieder noch etwas früher heim um mir zu helfen. Auch Freundinnen haben mir ihre Hilfe angeboten und ich muss gestehen, dass ich jede Hilfe angenommen habe. Sei es Einkäufe bei DM zu machen oder mir sonst einfach irgendwas zu holen, wozu ich noch nicht in der Lage war.

Zum Glück haben wir die ganzen Formalitäten schon im Krankenhaus erledigen können, sodass ich zu keinem Amt mehr musste. Auch Arztbesuche standen erstmal keine an. Ich konnte also wirklich einfach nur daheim bleiben.

Größere Einkäufe haben wir auch schon vorher über den Rewe-Lieferdienst liefern lassen, eine Putzhilfe haben wir über Helpling und Wäsche mache ich persönlich sehr gerne 🙂 Für alles andere gibt es ja Amazon.

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Und heute?

Heute ist die 5. Woche meines Wochenbetts zu Ende gegangen und ich fühle mich wirklich fit. Naja, bis auf meinen Beckenboden und meine Blase. Ich hatte nach der Geburt einen Katheter und irgendwie hat das meine Blase sehr gereizt, sodass ich heute noch ständig das Gefühl einer Blasenentzündung habe. Das ist einfach sehr unangenehm und schmerzhaft. Lange Strecken laufe ich auch heute noch nicht, einfach um meinen Beckenboden zu schonen, so lange bis ich einen Platz im Rückbildungskurs habe.

Wenn wir Anna in die Kita gebracht haben, legen wir beiden uns meist nochmal hin. Da die Nächte leider recht anstrengend bzw. stillintensiv sind, hole ich damit etwas Schlaf nach. Dann mache ich meist was für die Uni oder nähe etwas. Meist mit Knautzi im Tuch wippend auf dem Pezziball 🙂 Nachmittags holen wir Anna wieder ab und treffen Freunde mit Kindern zum Spielen, je nachdem worauf Anna Lust hat. Nach der Kita ist Anna-Zeit. Sie darf bestimmen was wir machen. Meistens basteln oder malen wir zusammen. Manchmal liegen wir aber auch einfach nur faul auf der Couch und schauen TV.

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Ihr seht, bei uns geht es noch sehr entspannt zu und das tut uns allen gut. Wir genießen diese entschleunigte Zeit noch sehr. Turbulent wird es noch schnell genug, wenn Knautzi mobil wird und sich die beiden ums Spielzeug streiten 🙂

Hebamme und Babyblues

Ich kann wirklich jeder Mama nur raten, diese Zeit als etwas Besonderes, Unwiederbringliches anzusehen und sich so viel Ruhe wie nötig und möglich zu gönnen, Hilfe anzunehmen. Wichtig ist natürlich auch eine gute und empathische Hebamme, die einem nicht nur Fragen rund ums Baby beantworten kann, das Baby wiegt und sich ums Stillen kümmert, sondern einen auch psychisch „auffängt“, wenn es einem mal nicht gut geht. Denn das geht schneller als man denkt. Überforderung, Hormonschwankungen, Babyblues, all das können die unschönen Seiten des Wochenbetts sein und genau dafür ist auch eine Hebamme da. Falls ihr gerade schwanger sein solltet, kümmert euch lieber frühzeitig um eine Hebamme. In vielen Städten, wie z.B. Berlin und Hamburg, sind die Hebammen sehr schnell ausgebucht.

Ich wünsche jedenfalls allen Schwangeren und frisch gebackenen Mamas ein schönes und erholsames Wochenbett ohne Stress.

Alles Liebe,

Eure Caro

 

 

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